Zwischen Verantwortung und Druck – so organisieren CXOs Zeit Essay 7

Führung ist in Zeiten digitaler Umwälzungen von unschätzbarer Bedeutung. CXOs geben die Richtung vor, bauen die Unternehmen in Richtung Agilität um und strahlen Sicherheit aus. Das Management hat alles im Griff. Soweit die Theorie. Die Praxis ist eine andere. Über das Zeitmanagement von Chefs… 

Erfolgsstrategien im Umgang mit Zeit in einer immer hektischer werdenden Welt – das war mein Thema in Essay Nr. 6 (vgl. Burg 2018). Die Quintessenz war, dass wir uns verzetteln und unsere eigentlichen Prioritäten nicht verfolgen können, wenn wir nicht einen neuen Umgang mit Zeit in der VUCA-Welt erlernen. Wichtig wäre natürlich, dass wenigstens das Top-Management ein gutes Zeitmanagement hätte und zu den wichtigen Dingen käme, die für den Umbau in der Wirtschaft nötig sind.

Schaut man sich die einschlägigen Studien zum Zeitmanagement von Top-Führungskräften an, dann stellt man aber fest, dass Chefs tatsächlich das gleiche Schicksal erleiden wie jedermann: sie sind Getriebene (Schweifer 2011), dehnen ihre Arbeitszeit immer mehr aus (Kienbaum Managementberatung 2003) und sind unzufrieden mit ihrem Zeitmanagement (Doheny et al. 2012). Schon vor 15 Jahren nahmen mindestens zwei Drittel aller Chefs Arbeit mit ins Wochenende, strichen ihren Urlaub, machten über den Tag keine einzige Pause. 60 Prozent klagten folglich über Befindlichkeitsstörungen (Scheele 2003), was der medizinische Ausdruck für mangelndes Wohlbefinden ist. Und natürlich hat sich das Problem der ewigen Zeitknappheit in den vergangenen Jahren weiter verschärft (Bevins und Smet 2013). Die Auswirkungen der ständigen Kommunikation, die wachsende Komplexität globaler Organisationen und der Druck, der durch tiefe wirtschaftliche Unsicherheit auferlegt wurde, erzeugen das Gefühl, dass es einfach nicht genug Stunden am Tag gibt, um Dinge zu erledigen (Bevins und Smet 2013).

Das tradierte, fast idealisierte Bild vom zeitmächtigen Macher muss auf jeden Fall relativiert bzw. revidiert werden
Franz-J. Schweifer, Zeitmanagement für Top-Manager (business-wissen.de, 2011)


Chefs – Getriebene und Treiber zugleich

Dabei haben Top-Manager eine zweifache Rolle inne, die letztlich ihre eigenen Spielräume durchlöchert. Sie sind einerseits selbst fremdgesteuert, andererseits „aber auch Gestalter, Promotoren und Antreiber einer Zeit-Dynamik von Beschleunigung und Verdichtung“ (Schweifer 2011). Folgender Fall aus einer McKinsey-Veröffentlichung steht dafür stellvertretend: “When a critical strategic initiative at a major multinational stalled recently, company leaders targeted a talented, up-and-coming executive to take over the project. There was just one problem: she was already working 18-hour days, five days a week. When the leaders put this to the CEO, he matter-of-factly remarked that by his count she still had ,30 more hours Monday to Friday, plus 48 more on the weekend’” (Bevins und Smet 2013). Der eine oder andere von Ihnen hat vielleicht auch schon einmal ähnliches erlebt.


Laissez-faire in Sachen Zeitmanagement ist persönliches und kulturelles Phänomen

Fälle wie diese zeigen, dass in der Wirtschaft in Sachen Zeit bis in die obersten Etagen irgendwie eine Art Laissez-faire zu herrschen scheint. Zeit scheint nicht als knappes Gut zu gelten, das man folgelogisch auch nicht (zeit)managt (zur Zeit als knappes Gut vgl. Hinz 2000, S. 102).

Fälle wie dieser zeigen aber auch, dass Zeitmanagement nicht nur ein Problem der persönlichen Produktivität und Prioritätensetzung ist. Es ist zugleich ein organisatorisches Thema geworden, dessen Ursachen tief in Unternehmensstrukturen und -kulturen verankert sind (vgl. Bevins und Smet 2013). Glücklicherweise bedeutet dies, dass die Probleme auch systematisch angegangen werden können (vgl. Sackmann 2017).

Ob persönliches Thema auf Top-Ebene oder kulturelles, Top-Manager werden sich beides nicht mehr leisten können. Beides können sie aber beeinflussen. Die Herausforderungen, denen Unternehmen im Zuge des Umbaus der Wirtschaft in den kommenden Jahren ausgesetzt sein werden, erfordern einen professionellen Umgang mit Zeit und ein klares Fokussieren auf die wesentlichen Prioritäten. Welche Prioritäten das auf Top-Ebene sein sollten, darüber berichte ich im nächsten Essay.

 

Artikel zitieren

Burg, M. (2018): Zwischen Verantwortung und Druck – so organisieren CXOs Zeit / Essay 7, in: VUCABLOG [Weblog], 2.2.2018, Online-Publikation: https://blog.monikaburg.com/2018/02/02/essay-7-zeitmanagement-chef-cxo-top-management-zeit-verantwortung/, Abrufdatum: TT.MM.JJJJ

 

Literaturverzeichnis

Burg, Monika (2018): Zeit – unser kostbarstes Gut / Essay 6, in: VUCABLOG [Weblog], 19.1.2018, Online-Publikation https://blog.monikaburg.com/2018/01/19/zeit-unser-kostbarstes-gut/.

Bevins, Frankki; Smet, Aaron de (2013): Making time management the organization’s priority. Hg. v. McKinsey (McKinsey Quarterly). Online verfügbar unter https://www.mckinsey.com/business-functions/organization/our-insights/making-time-management-the-organizations-priority.

Doheny, M.; Nagali, V.; Weig, F. (2012): Agile operations for volatile times. In: McKinsey Quarterly (Mai). Online verfügbar unter http://www.mckinsey.com/business-functions/operations/our-insights/agile-operations-for-volatile-times.

Hinz, A. (2000): Psychologie der Zeit. Umgang mit Zeit, Zeiterleben und Wohlbefinden. Münster u.a.: Waxmann.

Kienbaum Managementberatung (2003): Zeitmanagement und Worklife-Balance internationaler Top-Manager. Studienergebnisse. Hg. v. Kienbaum Managementberatung. Online verfügbar unter http://www.praevention-online.de/pol/Pol.nsf/ee9bd41fa2dea209c12567830044a957/d63f52cd6c4cfd1ac1256cca0042c613?OpenDocument.

Sackmann, Sonja (2017): Unternehmenskultur: Erkennen – Entwickeln – Verändern. Erfolgreich durch kulturbewusstes Management. 2. Aufl. 2017. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-658-18634-0.

Scheele, Martin (2003): „Nur jeder Dritte macht eine Pause“. Topmanager-Studie. In: Manager Magazin. Online verfügbar unter http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/a-233604.html.

Schweifer, Franz-J. (2011): Zeitmanagement für Top-Manager. Unter Mitarbeit von Franz-J. Schweifer. Hg. v. business-wissen.de. Online verfügbar unter https://www.business-wissen.de/artikel/zeitmanagement-fuer-top-manager/, zuletzt aktualisiert am 24.07.2011.

 

 

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Zuletzt aktualisiert am 2.2.2018

 

Empfehlungen zum Weiterlesen:

Zeit – unser kostbarstes Gut, Essay 6