VUCA TO GO 18

Mood Food – so formt Essen die Psyche

Wie beeinflusst die Ernährung unser Wohlbefinden und unsere berufliche Performance? Der VUCABLOG gibt einen Einblick in eine wichtige Facette von VUCABILITY® – und liefert Basiswissen für moderne Führungskräfte.

Wer genießt nicht gerne? Besonders an stressigen Tagen spenden Essen und Trinken Kraft und Lebensfreude. Allerdings kann uns Nahrung auch die Energie rauben und uns melancholisch oder ängstlich machen. Leider sind sich aber zu wenige Menschen der Wichtigkeit des Themas bewusst und hinterfragen ihre Essgewohnheiten. Das führt zu krankheitsbedingten Ausfällen im Job, gedrückter Gemütslage, niedrigerer Stressresistenz. Zusammengefasst: verringerter Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Doch genau diese Attribute benötigen Fach- und Führungskräfte in unserer hektischen Zeit. Um den negativen Aspekten ein wenig entgegenzuwirken, möchte dieser VUCA TO GO für die Wechselwirkung zwischen Ernährungsweise und Stimmungslage sensibilisieren.

 

#Vom Bauch in den Kopf

Was würden Sie sagen? Inwieweit beeinflusst das, was Sie essen, Ihre Psyche? Die moderne Schulmedizin hielt diesen Zusammenhang lange für abwegig. Obwohl wir es doch irgendwie schon immer gewusst haben, weil z.B. Ärger „auf den Magen schlägt“ oder wir nach einer durchzechten Nacht „einen dicken Kopf“ haben. Der ausgeklügelte Verdauungstrakt wird mittlerweile aber auch in der Wissenschaft ernst genommen. Und von dort kommen Signale, dass unsere „moderne“ westliche Ernährungsweise nicht nur zu einer epidemieartigen Ausbreitung von Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes oder Krebs beiträgt, sondern auch Depressionen und Angsterkrankungen häufiger werden lässt. Und heute wissen wir, dass sowohl die Stoffe, die wir über die Nahrung zu uns nehmen, als auch die Zusammensetzung der circa zwei Kilogramm Darmbakterien einen großen Einfluss auf unsere Stimmung haben.

Wie kann denn der Bauch überhaupt Signale ans Gehirn schicken? Unsere Organe sind umhüllt von mehr als 100 Millionen hochsensiblen Neuronen, die in Zelltyp, Rezeptoren und Arbeitsweise denen des Gehirns exakt gleichen. Sie sind mit dem Gehirn selbst über das Rückenmark bzw. den Nervus vagus verbunden. Über diesen Nerv sendet das Gehirn Informationen an den Verdauungstrakt (efferente Bahn) und umgekehrt (afferente Bahn). So entsteht ein ständiger Austausch zwischen Bauch und Kopf.


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Vom Kopf auf die Stimmung

Es ist vielleicht nicht die romantischste Vorstellung: Der Chemiecocktail aus verschiedenen Botenstoffen wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Endorphin in unserem Gehirn steuert unser Wohlbefinden, unsere Laune und unser Glücksgefühl. Ein Mangel an Serotonin und Endorphin ist in vielen Fällen ausschlaggebend für negative Gedanken, schlechte Laune, Erschöpfung, Angst, Gereiztheit, Leere, Unruhe und fehlende Lebensfreude. Hergestellt werden diese Botenstoffe aus Aminosäuren (das sind Eiweißbausteine), beteiligt an dieser Herstellung sind Vitamine und Mineralien. Ohne Calcium, Magnesium, Vitamin D und die B-Vitamine können die Botenstoffe nicht ständig gebildet werden. Und da kommt die Zusammensetzung unseres Essens ins Spiel.


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Von der Gabel ins Gemüt

Sie haben das schon gehört: eine ausgewogene Ernährung besteht aus guten Kohlenhydraten, Eiweiß und guten Fetten. Das sind die Makronährstoffe und Energielieferanten in unserer Nahrung. Darüber hinaus braucht es eine ausreichende Zufuhr an Mikronährstoffen, die keine Energie liefern, aber essenziell für die biochemischen Stoffwechselprozesse im Körper sind. Dazu zählen Vitamine, Mineralien und Omega-3-Fettsäuren. Wie oben beschrieben, brauchen wir ausreichend Eiweiß und Mineralstoffe, um Serotonin und Endorphin zu produzieren.

Und wie setzt sich zusammen, was wir essen? Kurz gesagt: schlechte Kohlehydrate nehmen guten Kohlehydraten und Proteinen sowie den Mikronährstoffen den Platz weg. Wer viel Industrieprodukte – wie Süßigkeiten, Fertigprodukte, Junkfood – isst, entzieht dem Körper die Quellen für die Serotonin- und Endorphinproduktion. Zwar sorgt u.a. Zucker, wie in Schokolade, für einen Endorphinschub, dieser ist aber nicht von Dauer und sorgt zudem durch den daraufhin abfallenden Blutzuckerspiegel für ein Suchtgefühl.

Werfen wir einmal ein Schlaglicht auf unseren Zuckerkonsum: Jeder Deutsche konsumiert laut Stiftung Warentest schon allein 90 Gramm weißen Zucker pro Tag – das sind sage und schreibe 32 Kilogramm pro Jahr. Der wenigste davon ist der, mit dem wir den Kaffee süßen oder Kuchen backen. Der meiste ist „versteckt“ in Süßigkeiten, Fruchtjoghurts, Müsli oder Softdrinks, Tiefkühlpizza, Ketchup, Soßen, Kartoffelsalat oder Currywurst. Alles Fertigprodukte. Rechnen wir andere Zuckervarianten, mit denen die Industrie ebenfalls süßt, wie Glukosesirup oder Fruktose dazu, kommen wir wahrscheinlich eher auf über 100 Gramm Zucker pro Tag. Das ist fast ein Drittel des täglichen Kalorienbedarfs einer erwachsenen Frau, die einer sitzenden Tätigkeit nachgeht und keinen Sport macht.

Und zu Zucker kommt Weißmehl. Bei der Herstellung wird nur die Stärke des Mehlkörpers, also das Innere des Getreidekorns, verwendet wird und nicht die wertvollen und gesunden Inhaltsstoffe – also Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe sowie gesunde ungesättigte Fettsäuren. Diese stecken nämlich hauptsächlich in den Randschichten des Getreidekorns und dem Keimling. Und die Stärke baut der Dünndarm direkt in Zucker um. Rechnen wir also den Zucker hinzu, den wir über Weißbrot, Mischbrot, helle Brötchen, herkömmliche Nudeln, Pizza, Kuchen, Kekse oder Chips zu uns nehmen, steht dem Körper viel zu viel Zucker zur Verfügung. Da bleibt nicht mehr viel Platz für gute Kohlehydrate, gute Fette, Proteine und Mineralstoffe. Und der Zucker verlangt wegen des Suchtpotentials weiteren Zucker. Der Einfluss auf Figur und Stimmung ist groß.

 

Natürlich gibt es auch noch andere, äußere Einflussfaktoren auf die Gemütslage – tragische Ereignisse oder eine genetische Veranlagung beispielsweise. Die Ernährung spielt aber in jedem Fall und zu jeder Zeit eine Rolle. Vielleicht konnte dieser Beitrag Sie ja etwas sensibilisieren – sodass Sie schwere und stressige Zeiten künftig noch besser bewältigen können.

Wenn Sie sich weiter über dieses Thema informieren möchten, lege ich Ihnen „Was die Seele essen will“ von Julia Ross ans Herz (Original: „The Mood Cure“; zweite dt. Auflage, Stuttgart 2010). Einen Podcast mit Julia Ross gibt es bei YouTube. Auch das Buch „Darm mit Charme“ von Giulia Enders liefert interessante Fakten zum Thema.

 


Artikel zitieren

Burg, M. (2019): Mood Food – so formt Essen die Psyche / VUCA TO GO, in: VUCABLOG [Weblog], 31.03.2019, Online-Publikation: https://blog.monikaburg.com/2019/03/31/vuca-to-go-18-mood-food-so-formt-essen-die-psyche-ernaehrung/, Abrufdatum: TT.MM.JJJJ

 

 

Bildquelle: congerdesign – pixabay.com

 

Zuletzt aktualisiert am 31.03.2019