Vom Spitzensport ins Top-Management – gemeinsame Erfolgsfaktoren

Unterschiedliche Herausforderungen, aber zweifelsfrei gleiche Erfolgsmuster, insbesondere in Bezug auf die Persönlichkeit und Einstellung – im Sport wie im Unternehmen. Das hat eine Studie vom Online Research Institut Marketagent in Zusammenarbeit mit SPORTS.Selection und Leitbetriebe Austria konstatiert.

Herausragende Leistungen sind Voraussetzung für außergewöhnliche Karrieren. Nutzt man die Erkenntnisse aus dem Sportsektor, so profitieren Auswahl- und Entscheidungsprozesse im Personalmanagement oder Managementtrainings enorm. Ebenso enorm wichtig ist der Zusammenhang zwischen Erfolg und Misserfolg, denn es gibt oft keinen Sieg ohne Niederlage. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie „It’s all about success“ stelle ich nachfolgend vor, ergänzt um meine eigenen Erkenntnisse aus meiner Berufserfahrung im Top-Management und den Case Studies im Rahmen der BURG. Führungsberatung. 

 

#1 Wer an die Spitze will, strebt nicht primär nach Anerkennung

Erfolg beginnt im Kopf – und ist somit (auch) eine Frage der Einstellung. Diese Kurzformel ist die Essenz der Studie, welche die Erfolgsfaktoren von TopmanagerInnnen und SpitzensportlerInnen mit denen der Gesamtbevölkerung verglichen hat. Viele Faktoren beeinflussen Erfolg, aber die grundlegende Haltung zu persönlichen wie beruflichen Zielen spielt keine Neben- sondern eine Hauptrolle. So stimmen 38 Prozent der Gesamtbevölkerung der Aussage Erfolg ohne Anerkennung ist wertlos zu, bei ManagerInnen nur 26 und bei SportlerInnen gar nur 13 Prozent. Die hohe intrinsische Motivation ist somit entscheidend, denn man hält länger durch, wenn man nicht nur für die Lorbeeren-Ernte erfolgreich sein möchte. 

In meiner Arbeit kann ich das bestätigen. Spitzensportler und Spitzenkräfte wollen etwas erreichen. Sie arbeiten für eine Vision. Ein perfektes Beispiel ist ein Vertriebsleiter Anfang 40 aus einem großen mittelständischen Unternehmen. Er kritisierte das Silodenken im Unternehmen, die langen Entscheidungswege sowie eine Order & Control-Führungskultur. Wie ein Botschafter zog er für agileres Arbeiten durchs Unternehmen und bezog zunächst nur Prügel. Die Bereichsleiterkollegen gaben ihm zwar oberflächlich Recht, hatten aber ihre eigene Agenda, der Geschäftsführer fürchtete Kontrollverlust, denn er fühlte sich in seiner Komfortzone wohl, wenn alles über seinen Tisch lief. Immerhin gab er die Zustimmung, dass man sich mal abseits vom Tagesgeschäft zu den Vor- und Nachteilen des Themas befasste.

Auf Bemühen des Vertriebsleiters wurde ich eingeladen, hielt einen Impulsvortrag über die Zeitenwende in der Unternehmensführung und warum in 10 Jahren Unternehmen träge Organisationsprinzipien abgeschafft oder Unternehmen insolvent sein werden. Darüber hinaus moderierte ich einen Workshop, der die Schwierigkeiten in der Organisation sichtbar und besprechbar gemacht hat. Der Vertriebsleiter setzte sich durch und es wurde ein Programm gestartet, um im ersten Schritt die Führungskultur im Hause zu verändern. Ich durfte das unterstützen und weiß deshalb, dass sich die Zähigkeit des Vertriebsleiters am Ende ausgezahlt hat. 

 

#2 Fleiß und hoher Einsatz, das kommt zu Talent und Glück

Verlasse dich nicht auf Glück und Talent, denn das allein reicht nicht aus. Bei der Studie zeigten sich hier deutliche Unterschiede bezüglich der Haltungen zu den Anstrengungen, die erforderlich sind, um erfolgreich zu werden. 63 Prozent der Bevölkerung empfanden den Weg zum Erfolg als „beschwerlich“, bei den SportlerInnen sind es nur 55 Prozent und bei den ManagerInnen gar nur 31 Prozent. Zugleich betrachten signifikant mehr SpitzensportlerInnen und Führungskräfte den Erfolg als Ergebnis „harter Arbeit“ und deutlich weniger als die Gesamtbevölkerung sprechen „Glück“ oder „Talent“ eine entscheidende Rolle zu. Auch interessant: Objektiv ist der Arbeitsdruck im Management und im Sport mindestens so hoch wie das die Gesamtbevölkerung annimmt, doch offenbar wird diese von den wirklich erfolgreichen Menschen als gar nicht so belastend empfunden.

Den richtigen Umgang mit der eigenen Belastungsgrenze zu finden ist in der Führungskräftentwicklung ein großes Thema. Die gute Nachricht: man kann sie erlernen und sich aneignen. Ich denke stellvertretend an eine Head of, Ende 30 und aus einem mittelständisch geprägten Konzern. Blitzgescheit, engagiert, gut vernetzt, sympathisch. Sie kam auf mich zu, weil sie „müde war“. Sie selbst sah die Ursachen nicht. Sie arbeitete gerne und auch gerne viel. Ihr Mann unterstützte sie, für ihre Kinder hatte sie morgens und abends Zeit. Alles gut? Nein! Wenn die Kinder im Bett waren, arbeitete sie noch 2 Stunden, um nach 6 Stunden Schlaf wieder aufzustehen und die Kinder zu versorgen. Am Wochenende arbeitete sie den Sonntagnachmittag. Es gab keine Zeit mehr für sie selbst und keine fürs Entspannen.

Die braucht der Körper aber. Hier war ich Mental Coach: Sie integrierte in Coronazeiten Spaziergänge in den Homeoffice-Alltag und strich die 2 Stunden Arbeit abends und am Sonntagnachmittag. Sie musste allerdings lernen, sich auch daran zu halten, denn in der ersten Zeit zogen die alten, überfordernden Routinen an ihr. Aber dafür hatte sie ihren Mann und mich, die sie unterstützen, nicht wieder in alte Muster zu fallen. Nach wenigen Monaten Disziplin und der Erkenntnis, dass sie dennoch ihre beruflichen Ziele erreichen kann, hatte sie es geschafft.

 

#3 Rückschritte in Kauf nehmen ohne die Nerven zu verlieren

Der Umgang mit Krisensituationen ist richtungsweisend für den Erfolg, denn der richtige Umgang mit Misserfolg erweist sich als wohl kritischster Faktor. TopmanagerInnen und SpitzensportlerInnen sind diesbezüglich beinahe geschlossen optimistisch. Sie überwinden Krisen und setzen sich nach Rückschlägen flink neue Ziele. In der Gesamtbevölkerung trifft dies nur auf zwei Drittel zu. Sich Rückschlage zu sehr zu Herzen zu nehmen, wird so zum Hindernis, denn man tritt auf der Stelle.

In der Studie wurde ein „Resilienzbarometer“ erhoben, welches die Fähigkeit widerspiegelt, Rück- und Fehlschläge zu verkraften. Da erreicht die Gesamtbevölkerung nur einen Wert von 20, während es bei TopmanagerInnen satte 52 und bei SpitzensportlerInnen sogar 71 Prozent sind. Die Akzeptanz von Misserfolg für den Erfolg ist essenziell, es gilt sich von Niederlagen nicht entmutigen zu lassen, sondern zu lernen und weiterzumachen. Keine Siege ohne Niederlagen. Auch in meiner Tätigkeit erlebe ich das immer wieder. Ich arbeite fast ausschließlich mit obersten Führungskräften und ich habe diesen Spirit bei fast allen erlebt: Sie nehmen immer wieder Anlauf. Rückschläge kennen sie alle zur Genüge. Wer aber zu mir kommt, nutzt den Austausch mit mir ganz gezielt, um noch schneller und somit effizienter Lösungswege zu finden. Auch Spitzenkräfte sind für sich manchmal betriebsblind, aber sie bleiben da nicht stehen.  

 

Die richtige Einstellung macht nicht nur das Leben, sondern auch die Karriere einfacher. Verantwortung nicht als Belastung, sondern als Möglichkeit zur Entfaltung zu empfinden und zu betrachten, ist dabei besonders hilfreich. Die BURG. Führungsberatung hilft auf dem Weg von der Theorie in die komplexe Praxis, mit Einzelcoaching und Konfliktmanagement. 

 

Artikel zitieren

Burg, M. (2022): Vom Spitzensport ins Top-Management / VUCA TO GO, in: VUCABLOG [Weblog], 10.05.2022, Online-Publikation: https://blog.monikaburg.com/2022/05/10/vom-spitzensport-ins-top-management//, Abrufdatum: TT.MM.JJJJ

Bildquelle: https://pixabay.com/